EIN BLICK ZURÜCK ...

Als Adolph Kolping 1865, viel zu früh, verstarb, existierte in Bocholt noch kein Gesellenverein. Allerdings wird das Jahr 1865 als das Gründungsjahr des Kolpingchores angesehen. Entscheidend für die Gründung eines katholischen Gesellenvereins, wie auch für die spätere Gründung eines Arbeitervereins, war Pfarrer Vahrenhorst von St. Georg. Die aktuelle Gründung des Gesellenvereins ist mit dem Namen von Kaplan Linnemann von St. Georg verknüpft. Bei Friedrich Reigers: "Geschichte der Stadt Bocholt" ist hierzu zu lesen:
(aus: Reigers: Die Stadt Bocholt während des neunzehnten Jahrhunderts, Seite 217).
Weiteren Aufschluss über die Gründungsphase der heutigen Kolpingsfamilie und somit auch Hinweise auf das Kolpinghaus geben einige Artikel aus dem "Bocholter Volksblatt" bzw. der "Grenzwarte" vom 4. und 6. Juli 1914. Anlass für die Berichterstattung ist die Feier des 100. Geburtstages des Gesellenvaters Adolf Kolping. Im Rahmen dieser Feiern wird auch das erste Kolping-Denkmal feierlich enthüllt.

Die Entwicklung bis 1945

Auch über Ergänzungen der Bausubstanz und Innengestaltung wird in derselben Ausgabe der Zeitung berichtet:
Auf den verdienstvollen Präses Poggenburg folgte im Jahre 1895 der Präses Kaplan Drestomark. Er ist Erbauer des Nebenhauses, in dem der Kastellan und noch einige andere Familien wohnen und in dem der Lehrlingsverein sein Lokal hat. 1908 übernahm der jetzige Präses, Vikar Beckmann, die Leitung des Vereins. Manches Schöne und Gute wurde auch unter ihm geschaffen, so die Neudekorierung des Saales, die neue schöne Bühne, das neue Wirtschaftszimmer, der neue Saal mit Kegelbahn.
Als Fazit dieser Presseberichterstattung kann gesagt werden, dass seit 1872 in Bocholt ein Kolpinghaus existiert, und dass seit dieser Zeit viele junge Menschen darin Unterkunft und Heimat gefunden haben. Seither hat auch der Gesellenverein/die Kolpingsfamilie in eigenen Räumen in ungezählten Versammlungen und Veranstaltungen seine/ihre Ziele verfolgen können.

Zu bedenken ist, dass speziell in den "Gründerjahren" das Umfeld dem Katholizismus und seinen Vereinen und Organisationen durchaus nicht wohlgesonnen war. Es tobte der sogenannte "Kulturkampf (1871-1891). Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Vereins und des Hauses begann mit der "Machtergreifung".

Die Behinderungen der Aktivitäten durch die "braunen Herren" gingen über die negativen Erfahrungen während des Kulturkampfes weit hinaus. Der 2. Weltkrieg und die Bombardierung der Stadt Bocholt am 22. März 1945 setzten einen Schlusspunkt, so schien es. Auch das Kolpinghaus Bocholt sank in Schutt und Asche.
Ein mühsamer Neuanfang wurde von denen in Gang gesetzt, die, nachdem die Kriegswirren beseitigt waren, die Ärmel aufkrempelten und den Schutt beseitigten. In der jetzigen Eingangshalle zu den Sälen des Kolpinghauses hat der ehemalige Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Reinhold Funke, eindrucksvoll Lage, Größe und Gestaltung des alten und neuen Kolpinghauses dokumentiert.

Wiederaufbau

Waren die Räumlichkeiten des Kolpinghauses in den Kriegsjahren zum großen Teil für die Lagerung von z.B. Getreide oder Heereskleidung beschlagnahmt, so mussten in den Nachkriegsjahren Räume u.a. für Schulzwecke, die IKK oder die Kreishandwerkerschaft zur Verfügung gestellt werden. Bald war das Kolpinghaus aber auch wieder HOSPIZ oder wie es nun allgemein hieß WOHNHEIM und gleichzeitig Bildungsstätte für die Kolpingsfamilie.
Die seinerzeitige Situation wird deutlich aus einem Konzessionsantrag, der mit Datum vom 25. Januar 1950 an die Stadt Bocholt gerichtet wird:
Das Kolpinghaus wurde durch Kriegseinwirkung größtenteils zerstört. Mit den Wiederaufbauarbeiten wurde 1946 begonnen, die zumindest soweit gediehen sind, dass:
1.) die Schankwirtschaft wieder hergestellt ist,
2.) der Musiksaal und ein Raum nebenan, der später als Vorraum für den geplanten Saal dient, sind hergerichtet,
3.) im Ober- und Dachgeschoss sind bereits Herbergszimmer eingerichtet; weitere sind im Aufbau begriffen, so dass nach Fertigstellung der jetzt im Bau befindlichen Arbeiten rd. 55 bis 60 Gesellen untergebracht werden können. Alle Räumlichkeiten entsprechen den gestellten Vorschriften. Der Garten wird im Frühjahr so hergerichtet, dass auch hier ein ordnungsmäßiger Zustand erzielt wird.

Natürlich wurde die Schankerlaubnis für alle "geistigen und nichtgeistigen Getränke" erteilt, und wenige Jahre später waren weitere Pläne herangereift. Es ging um den Neubau eines Jugendwohnheimes.
Im Protokoll der Sitzung des "Schutzvorstandes" vom 13. Oktober 1953 (Schriftführer ist Josef Kurenbach, Präses Kaplan Havermann) heißt es unter dem betreffenden Punkt der Tagesordnung:

Nach Beseitigung von Finanzierungsproblemen wird mit dem Bau des Jugendwohnheimes 1954 begonnen. Am 23. März 1955 findet die feierliche Einweihung statt. Mit der Einweihung des Jugendwohnheimes wurde erstmalig ein Heimleiter mit pädagogischer Vorbildung eingestellt. Hier ist die Nahtstelle des endgültigen Übergangs vom Gesellenhospiz zum Jugendwohnheim.
Nicht zuletzt die Mitgliedschaft und Zugehörigkeit zur Heim-Trägergruppe „KATHOLISCHE HEIMSTATT BEWEGUNG“ sowie die Gewährung von Beihilfen zum Gehalt des Heimleiters bzw. Gewährung öffentlicher Mittel für Bau und Renovierung von Heimen haben diese Entscheidung herbeigeführt.  

Wesentliche Veränderungen der Bausubstanz und des Raumkonzeptes

Erwähnenswerte Veränderungen in der Bausubstanz des Kolpinghauses ergeben sich in den Jahren 1957/58 durch den Bau der Kegelbahn, den Anbau des sogenannten "kleinen Saals" (heute Saal 3) und die Renovierung des großen Saales. Aus den Protokollen ist zu entnehmen, dass die genannten Vorhaben nur deswegen verwirklicht werden konnten, weil die Arbeiten (Schreiner, Maurer, Anstreicher) von Arbeitsgemeinschaften der Handwerker aus der Mitgliederschaft ausgeführt wurden.
Im Rückblick ist erst 20 Jahre später von weiteren wesentlichen Veränderungen zu sprechen. Von 1979-82 erfolgte eine substantielle Renovierung des Wohnheimes einschließlich Küche mit einem Gesamtaufwand von fast 1 Mio. DM.

In den Jahren 1984-87 wurde nahezu die gleiche Summe in eine vollständige Renovierung des Saalbetriebes mit flexiblen Saalverbindungen, neuem Theken-, Garderoben- und Toilettenbereich durch einen Anbau an der Rückfront des Haupthauses investiert. Durch Aufstockung entstand auch ein vergrößerter Musiksaal.
Im Zeitraum 1992-1996 erfolgte nach langen Diskussionen die Umsetzung eines Renovierungs- und Erweiterungskonzeptes mit Kosten von ca. 2,8 Mio. DM, das kurz wie folgt zu beschreiben ist:

Grundrenovierung der Gaststätte mit Verlegung der sanitären Anlagen in den Keller,
Bau von 3 querliegenden Bundeskegelbahnen unter der Hoffläche,
Abbruch und Neubau des Zwischentraktes (Speiseraum und Küche),
Neugestaltung des Hofbereiches mit Schrankenanlage, vollständige Renovierung des Daches des Haupthauses

 

News

21.12.11 13:04
v.l.: Präses Gregor Rolfes, Vorsitzender Hein-Josef Schepers, Geschäftsführer Hans-Georg Radloff

Einweihung STADTHOTEL KOLPING

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12.10.11 12:00

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